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Musik in der Karibik                                                  

Wenn Mighty Sparrow seine Ballade über die "Weiße Lady" singt, die von Kannibalen im Kongo entführt wird, beweist er sich wieder einmal als unschlagbarer Calypso-King. Natürlich spielt er auf den Rassenkonflikt zwischen Schwarz und Weiß an, doch eben auf Calpyso-Art: Ironisch und frech bis zur Gürtellinie. Denn dass sich "white ladies" gern vom "schwarzen Mann" entführen lassen, davon können die Diskjockey`s zwischen Trinidad und Jamaica ein Lied singen...

        Afrika und eine unglaubliche Lebenskraft und -Lust lassen in fast allen Texten und Rhythmen der Karibik grüßen. Ganz besonders unprüde zur Sache geht`s in der englischsprachigen Karibik bei den dröhnenden Soca- oder Rap-Rhythmen, zu denen sich die Paare ungeniert aneinander reiben oder jeder für sich auf laszive Weise seine Blackpower abstampft. Nur wenn good old Bob Marley erklingt, eint sich die schwarzweiße Tanzgemeinde aus Einheimischen und Urlaubern in asexuellem euphorischem Gehopse. Denn keiner verstand es wie er, die multikulturelle Welt mit seinen Love-and-Peace-Reggae-Hits zu begeistern.

        Kunstvollere erotische Tanzvergnügen bietet indes die spanisch-sprachige Karibik, wo die Damen noch die Herren Machos wie Motten umschwirren - in stolzer Evita-Haltung, versteht sich. Die schwungvollen Rhythmen heißen Merengue (Dominikanische Republik) und Salsa oder Son (Kuba). Wer dabei aus Angst, die eigenen Beine könnten sich beim rasanten Tanztempo verknoten, lieber zu den Schaulustigen am Tanzflächenrand zurückzieht, wird spätestens beim Lambadaaus der Reserve gelockt. Denn diesen Karibik-Evergreen aus  Venezuela beherrscht inzwischen eigentlich jeder, oder etwa nicht?

 

Musik gehört zum Lebensgefühl der Karibik - und wer sie den Menschen nehmen will, der erlebt sein blaues Wunder. So wie einst in Trinidad, als die weißen Herren genug vom ausschweifenden und obszönen Karnevalstreiben ihrer Sklaven hatten und alle Trommel verbrennen ließen. Was taten da die Sklaven? Sie nahmen sich alte Ölfässer und ein paar Stöcke und fertig waren ihre Ersatztrommeln. Damals wurde ein Instrument erfunden, dass heute auf keiner (englisch-sprachigen) Karibikinsel fehlt: die Steeltrommel (steelpan).

 Gesine Froese, erschienen 

in Abenteuer & Reisen  

 


Top Ten der Karibik-Festivals

1 Januar: Junkanoo in Nassau
Der Karneval der Bahamas beginnt eigentlich mit dem Boxing Day (26.12.); Neujahr ist dann noch einmal Anlaß für ausgelassene Junkanoo-Paraden der Karneval-Gangs, vor allem auf der Bay Street in Nassau; Beginn etwa ab 3 Uhr morgens

2 Februar: Karneval in Trinidad
Schauplatz Port-of-Spain: Die tollsten Tage während des berühmtesten Karnevals der Karibik sind der Rosenmontag (jour ouvert ) und vor allem der Faschingsdienstag (Mardi Gras), wenn die Bands mit ihren Gesamtkunstwerken zum Road March (Straßenumzug) antreten und am Ende die "Band of the Year" gewählt wird. Tip: Platz auf den Tribünen des Queen`s Park Savannah (Beginn des Zugs um 9 Uhr morgens).

 

3 Juni: Pablo Casals Festival, Puerto Rico
Das große alljährliche Klassik-Festival zu Ehren des berühmten katalanischen Cellisten Pablo Casal (1876-1973), der die letzten zwanzig Jahre seines Lebens in San Juan verbrachte. Tip: Besuchen Sie auch das Casal-Museum; es ist in einem hübschen historischen, fast 200 Jahre alten Haus in San Juan untergebracht.

 

4 Juni: Jazz & Latin Music Festival, Aruba
Treffen der Weltstars in Oranjestad: Ob Mighty Sparrow oder Gloria Estefan - seit 1988 schmücken Showgrößen die Stargastliste dieses alljährlichen Musikfestivals. Tip: Besuchen Sie auch die Bon-Bini-Feiern im alten Fort Zoutman!

 

5 Juli: Merengue Festival, Santo Domingo
Auch wenn das Festival nicht immer den erhofften Glanz auf die Malecón von Santo Domingo brachte und stattdessen in den Discos tobte: Es gehört zu den wichtigsten der Karibik. Die besten Merengue-Gruppen wetteifern hier im Zweivierteltakt. Außer Konkurrenz: Die weltberühmte Gruppe 4: 40 (Cuatro Cuarenta).

6 Juli/August: Crop Over Festival, Barbados
Erntedankfest der Zuckerrohrinsel, das mit farbenprächtigem karnevalistischem Treiben gefeiert wird. Absoluter Höhepunkt ist der Kadooment Day mit der Wahl eines Calypso-Kings.

7 Juli/August: Reggae Sunsplash, Jamaica
Das weltberühmte Festival bringt Reggae-Top-Bands und die bekanntesten Reggaemusiker on stage in Montego Bay und Kingston. Achtung: Die Austragungsorte wechseln. Wegen der großen Nachfrage gibt es außerdem wenige Tage nach dem Sunsplash noch ein weiteres "Reggae-Sum(mer)"-Festival.

8 August: La Rose Festival, St.Lucia
Festival mit großem Echo: Die besten Bands von den kleinen Antillen oder Super-Soca-Stars wie David Rudder locken Musikfans auf die dann gar nicht mehr so stille Museumsinsel Pigeon Point. Tipp: Danach ins Lime vor dem St.Lucian zum Abhängen.

9 November: Pan Jazz Festival, Trinidad
Die Virtuosität, mit der die zahlreichen Pan-Orchester während des Festivals ihre (zum Teil sogar klassischen) Musikthemen auf der Steeltrommel intonieren, ist immer wieder ein einzigartiges Erlebnis. Ein Ohrenschmaus für echte Karibikfans!

 

10 Dezember: Festival Internacional del nuevo Cine Latinoamericano
Traditionelles Festival des neuen lateinamerikanischen Films in Havanna - seit Jahren ein international beachtetes Ereignis

              siehe auch die CTO-Website:
http://www.doitcaribbean.com/festivals/
http://www.doitcaribbean.com/specialevents/

Gesine Froese  / erschienen in Abenteuer & Reisen  


Jünger Bob Marleys: Der Rastafarian-Kult

Gezwirbelte Haarwürste, die sogenannten "Dreadlocks", sind ihr äußeres Erkennungszeichen. Doch nur wenige, die diese Haartracht der Rastafaris tragen, wissen oft um die Ursprünge der Bewegung. Diese führen bis in die 20er Jahre zurück. Damals forderte der jamaikanische Sozialreformer Marcus Garvey (1887-1940) seine schwarzen Landsleute zu mehr Stolz auf die eigene Rasse, zu Widerstand gegen die Unterdrückung und zur Rückkehr nach Afrika ( zu den Wurzeln/"roots") auf. Dazu prophezeite er die Krönung eines schwarzen Königs, was denn auch 1930 mit der Berufung von Hailie Selassie Ras Tafari zum Kaiser von Äthiopien Wirklichkeit wurde. Die Rastafaris sehen in ihm den direkten Nachfahren von König Salomon und verehren ihn wie einen Gott (Jah). Berühmtester Prophet der Rastafari-Kultur war der 1981 - nur 36jährig - verstorbene Reggae-König Bob Marley, dem in Kingston ein Museum gewidmet ist. Der uneheliche Sohn eines weißen Engländers und einer Jamaikanerin wuchs in den Slums von Kingston auf. Seine sozialkritischen Texte, die die Botschaften von Garvey beinhalten wie allgemeine Rassen- und Klassenvorurteile ansprechen, trafen zur Hippiezeit die westliche Welt ins Herz.

      

Streng gläubige Rastafaris leben heute noch eine Mischung aus dem altem Ras Tafari-Kult und den alternativen 70er Jahren von Bob Marley`s Ruhmeszeit: streng vegetarisch, ohne Alkohol, dafür mit viel Marihuana zur Bewusstseinserweiterung. "Love, peace and truth" (Liebe, Friede und Wahrheit) ist ihre Lieblingslosung, die sie allerdings selten auf ihre weißen "Brüder" (oder etwa die eigenen Frauen) anwenden.

Weitere Infos: http://www.doitcaribbean.com

                  Gesine Froese / erschienen in Abenteuer & Reisen


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Stand: 15. May 2002  

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