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Internationale Tourismusbörse Berlin Karibik: Gut drei Prozent Wachstum

Inseln wollen stärker mit «Caribbean Feeling» werben

 

Von Bernd Kubisch
Der Tourismus in der vom Erfolg verwöhnten Karibik wächst, aber nicht mehr so stark wie früher. Eine Konsequenz: Vor allem kleinere Inseln wollen wieder verstärkt für ihr klassisches Image werben, das die Region weltberühmt gemacht hat: Das «Caribbean Feeling» mit Robinson-Crusoe-Flair, auch kleineren Hotels, Kontakte zu Einheimischen mit lässig-freundlicher Lebensart. Dazu kommt ein Mix aus Pina Colada, Rum Punch, Reggae, Calypso – und alles im Schmelztiegel verschiedener Kulturen und Hautfarben. «Die Konkurrenz wird härter, vor allem in Asien. Wir müssen uns auf unsere alten Stärken besinnen. Die kann niemand kopieren», sagt der Generalsekretär der Caribbean Tourism Organization (CTO), Vincent Vanderpool-Wallace in einem Gespräch mit Messe Berlin.

Denn auch Ziele im Nahen Osten, Indischen Ozean und Südostasien werben nun erfolgreich mit Sonne, Palmen, Hängematten- und Inselglück. «Aber die haben nicht unseren Rum, unsere Zigarren und auch nicht unseren Calypso, Reggae oder Karneval", betont Vincent-Vanterpool.

Die CTO weiß, dass Urlauber aus Europa meist länger und öfter verreisen als die aus Nordamerika. Jeder vierte Karibikgast kommt aus dem alten Kontinent, jede dritte Gästenacht entfällt auf einen Europäer. Nun stehen nach den Worten von Vanderpool-Wallace endlich auch mehr finanzielle Mittel bereit, «um Marketing und Werbung für den europäischen Markt zu verstärken.» Besonders in Spanien, Italien, Frankreich, Großbritannien, Deutschland, Schweiz, Niederlande, Skandinavien, Russland und anderen osteuropäischen Staaten sei das Potenzial für Karibikreisende groß.

«Das Interesse ist viel versprechend. Das hat auch der "Marketplace" in Aruba bewiesen», betonte Alec Sanguinetti, Generaldirektor der Caribbean Hotel Association (CHA). «Wir hatten einen guten Start für 2007, wie Geschäftsabschlüsse zwischen Anbietern und Veranstaltern im Wert von 300 Millionen US Dollar beweisen.»

Knapp 20 Millionen Übernachtungsgäste auf den Inseln

Mit 19,5 Übernachtungsgästen aus aller Welt verbuchte die Karibik auch 2006 einen Rekord. Der Zuwachs zum Jahr 2005 beträgt nach Angaben der World Tourism Organization (UNWTO) 3,2 Prozent. Zur CTO zählt auch Cancún, so dass die CTO-Zahlen immer höher ausfallen (etwa 22,5 Millionen Einreisen). Aus Deutschland machten knapp eine halbe Million Gäste Urlaub unter karibischen Palmen, schätzen CTO und die (deutsche) Arbeitsgemeinschaft Karibik (AGK). Der Wert stagniert seit etwa vier Jahren. Deutsche wählen als preiswerte Sonnendestination in der Ferne verstärkt Südostasien, vor allem Thailand. «In Deutschland zieht die Konjunktur an, die Arbeitslosigkeit sinkt. Wir erwarten 2007 eine höhere Karibik-Nachfrage», sagt der AGK-Vorsitzende Philippe Boucard.

Ähnlich sieht das Arley Sobers, Director of Research and Information Management, CTO. Er erläutert: «Die Deutschen haben nicht die historische oder geographische Motivation wie US-Bürger, Franzosen, Briten, Niederländer und Spanier.» Urlauber aus den USA fliegen besonders gern auf das nahe Inselreich der Bahamas, nach Puerto Rico und die US Virgin Islands, die Briten in heutige

oder ehemalige Kolonien wie Anguilla, British Virgin Islands, Montserrat, Antigua, Barbados. Franzosen reisen gern – meist mit preiswerten «Inlandsflügen» – nach Martinique, Guadeloupe, St. Martin und St. Barth, die Niederländer auf den Inselteil St. Maarten, nach Aruba, Bonaire, Curacao. Sie nutzen meist die regelmäßigen KLM-Verbindungen auch mit regionalen Anschlüssen nach Saba und St. Eustatius. Die Spanier urlauben gern in der Dominikanischen Republik und auf Kuba. Das sind auch traditionelle Iberia-Ziele. Sobers betont: «Für Urlauber aus Germany ist der Preis ein besonders wichtiges Motiv.»

Kuba bleibt beliebt - «Dom Rep» setzt auch auf Rundreisen

Kuba bleibt eines der beliebtesten Ziele in der Karibik und verbuchte 2006 nach Angaben aus Havanna knapp 2,3 Millionen Gäste. Nach sehr gutem Jahresstart hatte im Mai das Tourismusministerium als Planziel für 2006 insgesamt 2,5 Millionen Besucher genannt. Knapp 120.00 Deutsche reisten 2006 laut Kubas Fremdenverkehrsamt in Frankfurt auf die größte Karibikinsel. Auch Rundreisen zu Naturparks sowie spezielle Angebote wie Spanisch- und Tanzkurse seien gefragt, berichten Veranstalter.

Die Dominikanische Republik will ihr Angebot diversifizieren und mehr als All Inclusive Touristen. Dazu zählen Rundreisen sowie Besuche von Naturparks. «Wir setzen vor allem auf mehr Qualität», sagt Petra Cruz, Leiterin des Dominikanischen Fremdenverkehrsamtes in Frankfurt, das für etliche Quellenländer zuständig ist. Das heißt: Auch eine stagnierende Touristenzahl kann mehr Einnahmen bringen und Arbeitsplätze schaffen. Dominicanas Einreisen aus aller Welt stiegen 2006 laut UNWTO um 7,4 Prozent auf 3,965 Millionen. Die Zahl der Fluggäste aus Deutschland war 2006 nach Angaben aus Frankfurt mit 205.527 Passagieren rückläufig. Direktorin Cruz sagt: «Für 2007 sieht es gut aus, da die Flug-Frequenzen von Deutschland erhöht wurden. Veranstalter berichten von einer überdurchschnittlichen Auslastung.»

Jamaika mit schnellem Hotel- und Gästewachstum

In Jamaika sind die Gästezahlen 2006 stark gestiegen, um 13,7 Prozent auf 1,68 Millionen. Auch der deutsche Quellenmarkt zeigt nach oben, berichtet das Tourist Board. Zu den wichtigen Gründen zählen die vielen Hotelinvestitionen - vor allem spanischer Gruppen - in den vergangenen Jahren. «Konkurrenz belebt das Geschäft und ist für alle gut», sagt John Issa, Gründer und Chairman von Jamaikas All Inclusive Kette Superclubs. «Neue Hotels, dazu reizvolle Strände, üppige Natur und freundliche Menschen....Das bringt mehr Nachfrage, mehr Flüge, mehr Gäste, mehr Jobs. Alle profitieren.» Veranstalter betonen auch: Dazu komme die Musik des legendären Reggae-Königs Bob Marley und die «no problem»-Mentalität der Einheimischen, die bei Gästen aus aller Welt Anklang finde.

Klein und schnell: In Anguilla wachsen Tourismus und Wirtschaft so rasant, dass die Regierung derzeit große ausländische Investitionswünsche auf Eis legt. Die britische Insel mit einiger Autonomie und 14.000 Einwohnern freute sich 2006 über Vollbeschäftigung und knapp 70.000 - meist wohlhabende -Übernachtungsgäste, ein Plus von etwa 15 Prozent. «Wir wollen ein gesundes Wachstum, keines, das außer Kontrolle gerät», sagt Finanzminister Victor Banks.

Barbados wächst weiter, hat vor allem viele Fans in Großbritannien. Von Januar bis November 2006 freute sich die Insel über 505.632 Touristen aus aller Welt, ein Plus zum Vorjahreszeitraum von 3,9 Prozent. Bei den Einreisen aus Großbritannien meldet die Tourismusbehörde ein Plus von 4,8 Prozent auf 193.836, bei den Gästen aus Deutschland einen Zuwachs um 7,9 Prozent auf 6.626.

Grenada mit riesigem Hotelprojekt

Nach früheren Hurrikan-Problemen gehört Grenada zu den Gewinnern des Jahres 2006 - auch im europäischen Markt. Jocelyn Sylvester-Gairy, Director of Tourism: «Condor fliegt nun auch im Sommer. Das wird die Touristenzahlen aus Deutschland weiter nach oben bringen.» Auf Grenada wird auch kräftig investiert. Im November erfolgte der erste Spatenstich für Port Louis Grenada. Unter der Ägide des britischen Unternehmers Peter de Savary entsteht in den nächsten fünf Jahren ein großes Ferienzentrum, in das etwa 500 Millionen Euro fließen sollen.

Guadeloupe und Martinique gehören zu den wohlhabendsten Ferienzielen der Karibik. Guy Claude Germain, Pressechef des Tourismusbüros der 450.000-Seelen-Insel Guadeloupe sagt: «Unser Tourismus ist recht stabil. Von den jährlich 600.000 Übernachtungsgästen kommen etwa 500.000 aus Frankreich, wenige aus den USA, knapp 10.000 aus Deutschland.» Air France, Air Caraibes und Corsair sorgen für tägliche Flugverbindungen mit Paris. Mindestlohn und Hilfe für  Arbeitslose sind mit über 800 Euro drei- bis viermal so hoch wie das Monatsgehalt eines Fabrikarbeiters in der Dominikanischen Republik. Besonders beliebt ist das Inselhüpfen im Archipel von Guadeloupe. Gefragt sind Les Saintes, Marie Galante und La Désirade. In Martinique, auch Bestandteil Frankreichs und der EU, sind die Einreise-Relationen ähnlich. «Unsere Stärke ist die Vielfältigkeit mit Stränden, Bergen, Wäldern, üppiger Flora und Fauna sowie das stabile System mit dem Euro», sagt Marie-Christine Duval, Sprecherin der Tourismusbehörde in Paris.

St. Lucia hofft auf bessere Fluganbindungen mit Europa. «Ich setze mich in diesen Wochen mit meinen Kollegen aus den Nachbarinseln zusammen, um unsere Kräfte zu bündeln», sagt St. Lucias Tourismusminister Allen Chastanet, der auch CTO-Chairman ist. «Gemeinsam wollen wir uns um mehr Flüge, vor allem auch von Condor, in unsere Region bemühen.»

St. Kitts: «Home Stay» - Bahamas: Fahrt auf dem Postboot

Das früher britische St. Kitts wirbt neuerdings auch mitkaribischem Familienleben. «Unser "Home-Stay"-Programm startet mit Quartieren bei 150 Familien», sagt Christine Walwyn, Tourismusdirektorin von St. Kitts. Gemeinsame Strandpartys seien ebenso möglich wie Besuche von Cricket- und Fußballspielen sowie Reggae- und Steelbandkonzerte. Solche «Meet the People»-Programme sind seit Jahren in Jamaika und auf den Bahamas erfolgreich.

Vor allem die großen Inseln auf den Bahamas sind weiter vom US-Markt dominiert. «Europäer und Deutsche besuchen auch gern unsere kleinen Inseln, die "Out Islands"», sagt eine Sprecherin des Bahamas Tourist Board. Die Mitfahrt auf einem Postboot ist ebenso möglich wie aktiver Naturschutz, so das Zählen von Flamingos.

Auf Puerto Rico, mit den USA politisch fest verbunden, haben die Touristen vom nahen Festland ein «Heimspiel» und füllen vor allem Hotelriesen wie Hilton, Radisson und Marriott an den Stränden in und um San Juan. Die noch wenigen Gäste aus Europa buchen gern eine Rundreise mit Übernachtungen in gut ausgestatteten Posadas auf dem Lande.

Trinidad und Tobago machten bei der Fußball-WM Schlagzeilen für ihre  tänzelnden Kicker und schweißtreibenden Karneval. Das brachte viel positive Werbung, aber noch keinen erkennbaren «Push» bei den Urlauberzahlen. «Wir rechnen aber mit einem guten Jahr 2007», sagt ein Sprecher der Tourismusbehörde.

Aruba, sehr stark auf den US-Markt ausgerichtet, hat weiterhin eine der höchsten Hotelauslastungen der Karibik. Die Insel musste bei den Einreisen aus den USA 2006 jedoch Einbußen hinnehmen nach vielen negativen Schlagzeilen über das tragische Schicksal einer US-Touristin. «Wir kümmern uns seit Jahren sehr intensiv um den europäischen Markt und haben damit weiter großen Erfolg», sagt Susan Biemans, Mitinhaberin vom Bucuti Beach Hotel, dessen Auslastung über 90 Prozent beträgt.

Gut gebuchte Flüge

LTU und Condor fliegen weiter die drei gut gebuchten «Rennstrecken» deutscher Urlauber Dominikanische Republik, Kuba und Jamaika an. Condor bedient außerdem die kleineren Inseln Antigua, Barbados, Grenada und Tobago. Grenada wird 2007 erstmals auch im Sommer angeflogen. Porlamar ist weiter im Aufschwung. Condor nimmt im Sommer 2007 einen vierten wöchentlichen Flug auf die venezolanische Insel ins Programm. «Wir haben in die Karibik nicht nur Gäste aus Deutschland, sondern auch aus Italien, Österreich, Schweiz und Skandinavien», heißt es bei dem Thomas Cook-Unternehmen.

Im innerkaribischen Flugverkehr sind die Preise weiter recht hoch. Ein attraktiver Airpass für alle Inseln wird zum Leidwesen von Individualreisenden nicht angeboten. Auch einen Low Cost Carrier gibt es bisher nicht. Die American Airlines-Tochter American Eagle bestimmt weiter den Markt. Die schwächelnden Gesellschaften Liat und Caribbean Star haben sich am 1. Februar zusammengeschlossen und bedienen 22 Destinationen. Air Jamaica und Air Caraibes erweiterten in den letzten Jahren ihr Netz.

Der Trend gehe generell zu höherwertigen Reisen mit Interesse an Landschaft und Einheimischen, sagt Anke Fritz, stellvertretende Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Karibik. «Da haben auch kleinere Destinationen sehr gute Chancen im Markt.» Und die größeren Inseln dürften ihr Angebot auch außerhalb des All Inclusive Marktes erweitern  und Nischenmärkte erschließen.

Stimmen von Veranstaltern

Bei deutschen Veranstaltern sind die Inseln recht gut gefragt. Der Anteil der Individualreisenden könnte aber rückläufig sein. «Die Buchungen für die gesamte Karibik liegen bei TUI zum jetzigen Zeitpunkt über denen des Vorjahres», sagte Pressesprecherin Alexa Hüner im März. Die stärksten Zuwächse gab es für Dominikanische Republik, Kuba, Antigua, Aruba, Curacao und Grenada. TUI sei mit allen Karibikzielen sehr gut in den Sommer 2007 gestartet, Jamaika sei besonders gefragt. FTI hat Jamaika neu im Programm. Produktmanager Bernd Hoy sagt: «Für den Sommer 2007 sieht die Buchungslage gut aus.» Auch Kuba und «Dom Rep» würden gut laufen.

Bei Aventoura ist Kuba gefragt, vor allem Begegnungsreisen, bei denen «Kuba pur« zu erleben ist. Produktmanager Christoph Blaha sagt: «Unsere Reisenden besuchen in Havanna Bewohner in kleinen Stadtvierteln, gehen mit ihnen Einkaufen und lernen, wie die Libreta funktioniert. Das ist die monatliche Lebensmittelkarte mit staatlich subventionierten Preisen. Bei Thomas Cook Reisen läuft derzeit Jamaika besonders gut. Kuba sei in diesen Monaten gut gefragt, die «Dom Rep» stabil. Hier ist Samaná - mit neuem Airport - neu im Programm und «wurde gut aufgenommen». Kleinere Inseln sind bei Thomas Cook leicht rückläufig.

Neckermann Fernreisen erklärt: Kuba und die Dominikanische Republik, die Einbußen hatten, werden im «Geschäftsjahr 2006/07 die Kehrtwende schaffen und wieder zulegen». Bei Airtours laufen «vor allem Barbados und Antigua sehr gut», bei Dertour sind auch etliche kleine Inseln gut gefragt. Für Meier's Weltreisen sagt Martina Beeken: «Im Frühjahr 2007 haben wir eine starke Nachfrage für Dominikanische Republik, Jamaika sowie Kuba, wo die Rundreisen boomen». Bei den kleinen Inseln seien derzeit zum Beispiel gut gefragt Barbados, Tobago, Curacao, Martinique, Guadeloupe und das neue Angebot St.Maarten/St. Martin. Die niederländisch-französische Insel ist mit Anguilla, Nevis oder St. Barth kombinierbar.

Arbeitsgemeinschaft Karibik (AGK): www.karibik.de

http://www.karibik.de/inhalt/ueberuns.htm

Caribbean Hotel Association (CHA): www.caribbeanhotels.org

Caribbean Tourism Organization (CTO): www.onecaribbean.org/

World Tourism Organization (UNWTO): www.world-tourism.org

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Stand: 10. June 2007
 

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