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Jamaica abseits der touristischen Trampelpfade |
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Von Bernd Kubisch |
Auf dem Lande gibt es keine ambulanten Händler oder selbst ernannte Touristenführer. Wer an der Nordostküste in der Region des beschaulichen Port Antonio ausspannt, kann auch um zwei Uhr früh nach einem Discobesuch unbesorgt einen Straßenbummel machen oder ein scharf gewürztes Jerk-Huhn essen. Auch in Dörfern und Kleinstädten sind in Jamaica die Nächte lang und Bob Marley und sein Reggae-Sound allgegenwärtig. Das Angebot, Jamaica abseits des
touristischen Trampelpfads zu erleben, ist reichhaltig. In Port Antonio
organisieren die Non-Profit-Organisation «Valley Hikes» und die
Deutsch-Jamaicanerinnen Barbara Walker und Shireen Aga in ihrem kleinen
Hotel «Mocking Bird Hill» Wanderungen durch Regenwälder, zu
Wasserfällen und Ruinen alter Bananenplantagen. Sie vermitteln Kontakte
zu Familien auch in abgelegenen Regionen. Früher machte hier zwischen
türkisfarbenem Meer und den Blue Mountains Errol Flynn Urlaub und feierte
mit anderen Hollywoodstars rauschende Feste. Heute geht es ruhiger zu. Wer mit Farmer Vincent Slimforte Dörfer und Kaffeeplantagen in den «Blauen Bergen» mit Jeep und Wanderstiefeln besucht, kommt nur langsam voran. Der Kaninchenzüchter und Imker kennt jeden, stoppt vor bunt bemalten Holzhütten, bei Kaffee- und Bananenpflückern, stellt seine Gäste vor und hält jedes Mal ein ausgiebiges Schwätzchen. Kolibris schwirren zwischen pinkfarbenen und roten Hibiskusblüten. Kleine Echsen huschen durchs Gebüsch. In 800 bis 1 000 Metern Höhe
wächst im tropischen Klima zwischen Regenwäldern einer der Wer seinen Strandurlaub mit engeren Kontakten zu Einheimischen verknüpfen will, sollte das staatlich geförderte «Meet the People»- Programm ausprobieren. Dazu gehören Einladungen zu Lunch und Tee, Kirchgang, Ausflüge, Vogelbeobachtung - alles in Begleitung einer einheimischen Familie. Solche Programme werden mit dem Urlauber beim lokalen Touristenbüro abgestimmt und sind kostenlos. Private Initiativen und kleinere Hotels mit Sinn für Naturschutz bauen den Kontakt- und Landtourismus aus, fördern Kultur- und Geschichtsverständnis und bieten auch Übernachtungsmöglichkeiten in Familien und Plantagenhäuser. Im Hochland von Mandeville in Zentral-Jamaica knüpft die Initiative «Countrystyle» auch Kontakte zur Kommune der Maroons, Nachfahren entflohener Sklaven. «Kommen Sie in mein Dorf. Da
lernen sie viel über die Geschichte des Landes und den Kampf meines
Volkes.» Das sagt Avis, eine Maroon-Frau. Die 38jährige arbeitet meist
als Kindermädchen und Haushälterin in Mandeville im Hochland. Hier, in
der kühlen Ferienzuflucht für hitzegeplagte mit etlichen Gebäuden im
britischen Kolonialstil, gibt es bessere Verdienstmöglichkeiten als in
ihrem Dorf. Die Geschichte der Maroons ist leidvoll. Die Engländer besiegten 1655 die ersten Kolonialherren auf Jamaica, die Spanier. Gold gab es nicht zu holen, aber Zuckerrohr und Tabak. Der Sklavenhandel blühte. Die Maroons führten gegen die Engländer einen erbitterten Guerillakrieg. Erst nach 50 Jahren hatten die Kolonialherren die Insel unter Kontrolle. Diese Geschichte ist in der Gemeinde Accompong in einem kleinen Museum dokumentiert. Noch heute pflegen die etwa 3 000 Maroons die Traditionen ihrer afrikanischen Vorfahren. Ihr Kräuterdoktor zeigt auch Besuchern, welche Salben, Blüten und Tees gegen Rückenschmerzen und Asthma helfen. «Die Bewohner haben Interesse an einem behutsamen Tourismus und arbeiten mit uns zusammen», sagt Diana McIntyre-Pike. Die Mitarbeiterin der Organisation «Countrystyle» und Chefin des Hotels «Astra» in Mandeville ist trotz ihrer hellen Hautfarbe echte Jamaicanerin, spricht aber gut deutsch: «Vor allem Gäste aus Deutschland sind immer mehr an Urlaubsformen interessiert, die neben Strand und Faulenzen auch Tier- und Pflanzenwelt, Geschichte und Traditionen der Einheimischen einschließen.» Jeder dritte Jamaica- Besucher aus Deutschland reist individuell und bucht sein Bett vor Ort. Die Berge und Täler von
Mandeville knapp drei Autostunden westlich von der Hauptstadt Kingston
sind reich an Flüssen und Wasserfällen, unberührter Natur und
Heilquellen. Hier finden sich aber auch ein Golfplatz, Reit- und Tennisplätze, bunte Märkte, schiefe Hütten, edle Helen Lusan, Chefin einer
entsprechenden Werkstatt, erzählt den Touristen, dass hier arbeitslose
Mädchen einen Job gefunden haben und ausgebildet werden. Das Projekt wird
auch von «Countrystyle» gefördert. Stolz sind die Organisatoren, dass nun auch renommierte
All-Inclusive-Resorts wie «Sandals» und «Super Clubs» Interesse an
solchen Land- und Naturtouren haben. Besonders beliebt ist bei
Strandurlaubern der Ausflug zum Black River. In diesem Fluss können auch
Krokodile beobachtet werden. Dichterlesungen und selbstgebackenes Brot Das «Mocking Bird Hill» zwischen Papaya-, Zitrusbäumen, Bananenstauden und zwitschernden Vögeln liegt 15 Autominuten von Port Antonio entfernt. Es fällt auf durch eine Galerie mit landestypischen Skulpturen und Gemälden. Hier werden gelegentlich auch Dichterlesungen organisiert. Selbstgebackenes Brot, Kräuter und Gemüse aus eigenem Anbau gehören zur Öko-Philosphie von Barbara Walker und Shireen Aga. Das Fleisch wird frisch vom Kleinbauern gekauft. «Der Gast, der zu uns kommt, will Land und Leute kennen lernen. Wir helfen und rufen kundige Freunde und Nachbarn an. Das sind die Natur- und Bergführer unserer Gäste», erläutert Barbara Walker. In der Region gibt es auch einige
gepflegte kleinere Strände, darunter Frenchman's Cove mit einer kleinen Flussmündung, die schon als Kulisse für einige Hollywood-Filme diente.
Der nahe Rio Die große Mehrheit der über 2,5 Millionen Einwohner Jamaicas ist freundlich und hilfsbereit. Ein Bruchteil der Menschen bringt dem Land negative Schlagzeilen: Etwa 1 000 Mordfälle werden pro Jahr gezählt. Überwiegend tragen sie sich im kriminellen Kleinbanden-Milieu und in der Drogenszene von Kingston zu. Störend wirken auf etliche Urlauber in größeren Touristenorten die aufdringlichen Straßenhändler, die auch zum Kauf von «Ganja», Marihuana, verführen wollen. Zwei Raubüberfälle im Herbst 1998 auf Busse mit deutschen Touristen erregten Besorgnis. Die rund 30 Urlauber in den beiden Touristenbussen wurden von bewaffneten Gangstern ausgeraubt. Den ersten Überfall im Norden des Landes im November bewerteten die Behörden noch als «Ausnahmefall». Regierung und Polizei gehen inzwischen auch schärfer gegen illegale Händler vor, die Tagesbesucher von Kreuzfahrtschiffen massiv belästigten. Die staatlichen und privaten Initiatoren von Dorf- und Begegnungsurlaub setzen mit ihren Angeboten, Land und Leute kennenzulernen, bewußt den Akzent, daß «Jamaica pur» friedvoll, aufgeschlossen und reich an Naturschönheiten ist. |
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INFO-KASTEN: REISEZIEL: Jamaica ist nach Kuba und Hispaniola mit Haiti und der Dominikanischen Republik die drittgrößte Insel der Großen Antillen in der Karibik. Sie hat 2,5 Millionen Einwohner und ist seit 1962 unabhängig. Hauptstadt ist Kingston. Knapp zwei Drittel der Insel liegen über 500 Meter hoch. ANREISE: Von Deutschland unter anderem mehrmals wöchentlich von verschiedenen Städten mit LTU und Condor nach Montego Bay, Flugzeit etwa neun Stunden. Gültiger Reisepass genügt, Impfungen sind nicht erforderlich. REISEZEIT: Das ganze Jahr über.
Die Temperaturen liegen auch im Winter nur wenig unter 30 Grad. In den
Bergregionen ist es etwas frischer. WÄHRUNG: Eine Mark entspricht etwa 20 Jamaica-Dollars. In den Touristenorten wird auch gern der US-Dollar genommen. Kreditkarten werden in zahlreichen Restaurants, Geschäften und Hotels akzeptiert. UNTERKUNFT: Die Preise liegen höher als in den Billig-Destinationen Kuba und Dominikanische Republik, aber niedriger als auf den Französischen Antillen. In kleinen, ordentlich ausgestatteten Hotels gibt es das Doppelzimmer ab 130 Mark. Schlichte Strandbungalows bei Negril sind ab 50 Mark zu haben. INFORMATIONEN: Jamaica Tourist
Board,
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aktualisiert für
CariLat
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Stand: 09. May 2002
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