|
Von Susanne Asal |
|
|
"In der Regenzeit", erzählt Franca, "bleibt man stecken". Und wenn dann auch noch Kühe auf den beiden Landepisten des Hauses herumstünden, dann sei der Kontakt zur Außenwelt erst einmal abgeschnitten. Dann gleiche der Hato El Burro einem bunten, einsamen Konfetti, der zufällig zwischen die spektakulären Tafelberge der Gran Sabana in Venezuelas Südosten gefallen ist. Genau das ist heute auch passiert. Capitan Vargas gab in dem unverständlichen Geknatter des Radiofunks durch, dass Vieh sich auf der Piste niedergelassen hatte. Die Hausangestellte Edith sprang sofort in den Jeep, um dagegen etwas zu unternehmen, denn Gäste müssen ausgeflogen werden. Für viele, die auf den Hato El Burro kommen, ist genau dies von besonderem Reiz: Weit entfernt zu sein von der Zivilisation der piependen Telefone, der perfekten Straßen, der durchorganisierten Erreichbarkeit. Aber es klappt natürlich immer (fast) alles. So auch diesmal. |
|
|
|
Der Hato - darunter versteht man in Venezuela eine Viehfarm - verführt durch seine Lage und durch den Charme und die unschlagbare Gastfreundschaft seiner Besitzer. Er befindet sich in unmittelbarer Nähe der ältesten Gebirgsformationen der Welt, der aus schwarzem Granit gebauten Tafelberge, die die indianische Bevölkerung Tepuis nennen und als Göttersitze oder Altäre verehren wie die Griechen den Olymp. Der Anflug über dem gleißenden Band des Orinoco mit seinen hellen Sandstränden ist atemberaubend schön. |
|
Sind dann die Viehgatter des Hato erst einmal geschlossen, beginnt eine neue Zeitrechnung. Ein Babykaiman suhlt sich im Wassertümpel vor dem Haupthaus, zwei zeternde Papageien umfliegen die Neuankömmlinge, eine Gänseschar badet in der Regenpfütze. Die Köchinnen werkeln an den italienischen Rezepten der Besitzerin Franca Ackermann, die derweil trotz ihres Temperamentes geduldig vor dem Radiofunk sitzt und aus dem Geknatter schlau zu werden versucht. Nicht nur der touristische Betrieb verlangt Organisationstalent und Kommunikation, auch die Rinder- und Schaffarm muss mit denselben Mitteln am Laufen gehalten werden. Das Gelände des Hato umfasst 4000 Hektar, und das Haupthaus ist sein Nervenzentrum, seine Schaltzentrale. Die Gäste erleben dies hautnah mit, denn man lebt en famille. |
|
|
|
Die doppelte Funktion als Viehbetrieb und Gästehaus wird denn auch oft verzahnt: Den Erkundigungs-Ausritt begleitet mindestens ein Vaquero, ein venezolanischer Viehtreiber, der die Pferde bestens kennt und den Besuchern je nach Kenntnisstand zuordnet, und die Sättel für die Kundschaft lagern malerisch über den Galerien eines hölzernen luftigen Rundbaues, dessen gestampften Boden ein Fußballtisch krönt. Abends ist das der begehrte Treffpunkt für die Jüngeren. |
|
Die Kunst des Improvisierens ist in dieser Abgeschiedenheit sozusagen Voraussetzung fürs Gelingen. Im langgestreckten Mittelflügel hat neben dem Esstisch, der einem Rittermahl würdig wäre, auch noch der Billardtisch Platz, Hauptsache ist, dass in diesem feuchten Klima alles trocken und sicher untergebracht ist. Die Küche ist rundherum einsehbar, hier brutzelt keiner im Verborgenen, das Halten von Hierarchien - hier die Kundschaft, dort die Dienerschaft - wäre Francas Stil sowieso nicht. Die Mahlzeiten werden gemeinsam eingenommen. Ist der Hato nicht voll ausgebucht, deckt Edith im Seitenflügel vor der Küche, das ist dann noch intimer. |
|
|
Die Besucher schlafen in geräumigen Bungalows im gepflegten Garten, der das rustikal möblierte Haupthaus umgibt, jeder verfügt über eine eigene Terrasse mit stilechter Hängematte. In den Zimmern surren Ventilatoren gegen Hitze und Mücken an. Aus der wundersamen Nachbarschaft lässt sich ein wahres Feuerwerk an Ausflugsmöglichkeiten zu den landschaftlichen schönsten und berühmtesten Stellen des Landes zusammenstellen. Canaima und der höchste Wasserfall der Welt, der Salto Angel, der 1000 m vom Auyan-Tepui herunterstürzt, liegen eine halbe aufregende Flugstunde vom Hato entfernt; nach Kavak, einer tief eingeschnittenen Granitschlucht, erfüllt vom ewigen Dämmer und schäumendem Wasser, ist es noch einmal so weit. |
|
|
|
Nicht ganz so bekannt sind Ausflüge auf dem Diamantenfluss Río Paraguas, wo man die Diamantensucher an seinen Ufern besucht und sich die abenteuerlichen Maschinen erklären lässt, mit denen sie den Flussschlamm nach den kostbaren Steinchen absuchen. Zum Abschluss kann man im schläfrigen, heißen und recht hässlichen Paraguas Diamanten in besseren Bretterbuden kaufen. |
|
Bis zu 30 Personen haben in dem Hotelbetrieb des Hato Platz, deshalb lassen sich in die Ausflüge in die Gran Sabana maßschneidern. Mahr oder weniger Abenteuer, mehr oder weniger Aufwand - dies alles lässt sich für Unschlüssige sogar noch vor Ort organisieren. Dazu muss man allerdings ein bisschen Zeit mitbringen. Zum Faulenzen und Ausruhen bietet Hato einen hübschen Badesee mit einem indianischen Palmenrundbau und träge baumelnden Hängematten, wo man einen lieben langen Tag verbringen und picknicken kann, oder halbtägige Ritte zur Erkundung des Hato sowie kurze Bade-Ausflüge zu weiteren Lagunen mit dem Jeep. Und wer die eiserne Staatsreserve kennen lernen will, kann dies ebenfalls tun. Der eisenhaltigste Berg der Welt, der in Venezuela natürlich nach seinem berühmtesten Kind heißt, Seemann Bolívar, liegt eine Fahrtstunde entfernt. Die Ingenieure des Cerro Bolívar sind oft zu Gast auf dem Hato. Und die Besitzer vermitteln gerne Besichtigungstouren. |
|
|
Auskunft:
Der Hato El Burro
wird in Venezuela angeboten von dem deutschsprachigen Reiseveranstalter Cacao Expediciones, Calle Andromeda Quinta Orquidea, Urbanización El Peñon Tel. 0058/212/9771234, Fax 9770110. Email: cacaotravel@cantv.net In Deutschland: Sol e Vida Rugendastr.7, 81479 München Tel.: 089/7917031, Fax 798356. Als Baustein in einem Rundreiseprogramm. Preise: 5 Tage/6 Nächte inklusive Transfer von Puerto Ordaz/Ciudad Bolívar, Vollpension, Ausflug optional Kavak-Canaima, Salto Cristal, alle weiteren Halbtagesausflüge 700 Dollar. |
|
Alle Angaben nach bestem
Wissen, aber ohne Gewähr
Copyright © CariLat. Alle Rechte vorbehalten.
Stand: 09. May 2002